Siegerprojekt IV. Open Call
VON KLAGENFURT NACH KLAGENFURT – Dialogisch den Horizont expandieren
VON KLAGENFURT NACH KLAGENFURT – Dialogisch den Horizont expandieren beginnt mit einer ungewöhnlichen historischen Verbindung. Während der Österreichisch-Ungarischen Nordpol-Expedition (1872–1874) wurde eine abgelegene Insel im arktischen Eis, das „Franz-Josef-Land“, nach Klagenfurt benannt – als Dank für die Unterstützung der Expedition durch die Kärntner Landeshauptstadt. Seit damals existieren weltweit zwei „Klagenfurt“: eines in Kärnten und eines in der Arktis.
Diese unerwartete Verbindung nehmen Nicole Six und Paul Petritsch in Zusammenarbeit mit Jeanette Pacher zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Forschungsreise, um der Frage nachzugehen, was diese beiden Orte heute miteinander verbindet. Was passiert, wenn man einen Dialog zwischen ihnen eröffnet?
Dafür entwickeln sie Erzählräume in Kärnten, in denen sich historische Recherche, künstlerische Interventionen, Gespräche mit Wissenschaftler*innen und Erfahrungen aus einer Reise in den Norden versammeln. Mittels unterschiedlicher Arbeitsweisen wie Kartografie, Reisejournal, Fotografie, Akustik und körperliche Erfahrungen entsteht Schritt für Schritt ein neuer Blick auf Peripherie – nicht als abgelegener Ort, sondern als Raum von Beziehungen, Austausch und Veränderung.
Nicole Six und Paul Petritsch richten sich an Menschen unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Hintergründen. Sie bringen Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, regionale Vereine und eine interessierte Öffentlichkeit in sogenannten „nomadischen Erzählräumen“ miteinander ins Gespräch. Damit wird ihr Projekt zum Impulsgeber eines langfristigen Austausches zwischen Kunst, Wissenschaft und lokalen Partnerorganisationen, um gemeinsam in Zukunft weitere Vorhaben zu realisieren. Für den Auftakt des Projekts ist eine temporäre Bodenzeichnung des Franz-Josef-Landes im Maßstab 1:25 in im öffentlichen Raum in Klagenfurt geplant.Die Intervention soll Ausgangspunkt für Gespräche und Begegnungen sein und den Auftakt ihrer künstlerischen Expedition markieren.
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Begründung der Jury „Das Projekt, eingereicht von der Künstlerin Nicole Six, spannt einen Bogen von Klagenfurt zu der in der Arktis gelegenen Insel gleichen Namens, dem sie sich künstlerisch forschend widmen wird, um – modellhaft verstanden – die Erfahrung und Konstruktion von Nähe und Ferne, Eigenem und Fremden sowie Zentrum und Peripherie zu beleuchten und zu reflektieren. Das Künstler*innenduo Six / Petritsch, bekannt für seine multimediale Arbeitsweise und experimentellen Versuchsanordnungen und Eingriffe, überzeugt das Kuratorium mit der Vielfalt ihres künstlerischen und medialen Instrumentariums, der solide aufgesetzten transdisziplinären Ausrichtung ihres Projektes sowie der künstlerischen Bezugnahme auf historische Fakten und aktuelle wissenschaftliche Perspektiven. Im Sinne des Calls erscheint relevant, welche Verschiebungen des Verständnisses von ‚zentral‘ und ‚peripher‘ die Setzung zweier ‚Klagenfurts‘ zu evozieren vermag und vielversprechend das Bouquet künstlerischer Formate.“ |
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Peripherien als Räume des Austauschs, der Veränderung und neuer Perspektiven Nicole Six und Paul Petritsch: „Wir freuen uns sehr über die Möglichkeit, unser Projekt im Rahmen von ‚Peripherien im Wandel‘ umzusetzen. Die Ausschreibung greift Fragen auf, die auch unser Projekt beschäftigen: Wie entstehen Verbindungen zwischen scheinbar entfernten Orten und wie können Peripherien als Räume des Austauschs und neuer Perspektiven verstanden werden? Die Unterstützung der Kärntner Kulturstiftung (KKS) ermöglicht es uns, künstlerische Forschung mit wissenschaftlicher Expertise und lokalem Wissen zu verbinden und neue Räume für den Dialog zu eröffnen." |
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Biografien Nicole Six (*1971, Vöcklabruck) und Paul Petritsch (*1968, Friesach) arbeiten seit 1997 gemeinsam an orts- und kontextbezogenen Performances, Filmen, Fotografien, Skulpturen, Displays, Künstler* innenbücher und Projekten im öffentlichen Raum als Duo wie auch in größeren wechselnden Kollektiven mit partizipativen inklusiven Praxen. www.six-petritsch.com Jeanette Pacher (*1968, Sunderland (GB)) arbeitet seit 2007 als Kuratorin für zeitgenössische Kunst an der Secession in Wien, seit 2017 ist sie außerdem Lehrbeauftragte der Abteilung für Ortsbezogene Kunst der Universität für angewandte Kunst Wien. |